Hohe Armutsgefahr in Deutschlands Großstädten

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Hohe Armutsgefahr in Deutschlands Großstädten

Beitragvon Anne am 12.07.2010 - 15:57

Die Armutsgefährdung ist in den meisten deutschen Großstädten mit über 500.000 Einwohnern deutlich höher als im Bundesdurchschnitt, wie das Statistische Bundesamt (Destatis) auf Basis einer Auswertung des 2008 erhobenen Mikrozensus vor Kurzem mitteilte. Die Negativliste führt dabei Leipzig an, wo gut jeder vierte in der Stadt lebende Mensch als armutsgefährdet gilt.

Gemäß der Definition der Europäischen Union gelten Menschen als armutsgefährdet, die mit weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens (Median) der Bevölkerung auskommen müssen. Die Messlatte lag 2008 hier in Deutschland bei 787 Euro.

Hohe Quoten auch in Hannover, Bremen, Dresden und Dortmund
Gemessen am Bundesdurchschnitt von 14 Prozent liegen die Städte Hannover, Bremen, Dresden und Dortmund mit Werten von über 20 Prozent deutlich schlechter. In diesen Städten ist damit gut jeder Fünfte von Armut bedroht.

Auch mit Blick auf die von Destatis ausgewiesene Zeitreihe über vier Jahre zeigt sich, dass sich die Lage in den genannten fünf Städten eher verschlechtert hat. Leipzig hatte im Jahr 2005 noch eine Quote von 23,9 Prozent, die sich bis 2008 auf 27,0 Prozent verschlechterte.

Deutschlands größte Stadt Berlin liegt mit einer Armutsgefährdungs-Quote von 18,7 Prozent eher im Mittelfeld der Großstädte.

München, Hamburg und Frankfurt liegen vorne
Die Armutsgefährdung ist in München am geringster. Etwa jeder Zehnte ist betroffen. Auch Hamburg und Frankfurt scheiden noch besser ab als der Bundesdurchschnitt. Dahinter folgt einen Hauch über dem Durchschnitt Stuttgart.

Neben den Ergebnissen für Großstädte veröffentlichen die statistischen Ämter des Bundes und der Länder im Rahmen des Projekts „Sozialberichterstattung der amtlichen Statistik“ erstmals auch Armutsgefährdungs-Quoten in tiefer regionaler Gliederung. Die Ergebnisse wurden für 39 Regierungsbezirke sowie für 95 Raumordnungsregionen ermittelt.

Geringverdiener nach 41 Jahre auf Grundsicherungs-Niveau
Nach Berechnungen des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS) muss ein Durchschnittsverdiener, der heute mit 65 Jahren in Rente gehen will, gut 27 Jahre Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung eingezahlt haben, um auf den Grundsicherungsbedarf von monatlich 657 Euro zu kommen.

Ein Versicherter, der nur zwei Drittel des Durchschnittverdienstes erreicht, muss für eine solche Nettorente hingegen 41 Jahre lang Beiträge entrichten, wie das Ministerium kürzlich in Beantwortung einer Großen Anfrage einer Partei mitteilte.

Raus aus der Armutsfalle

Wie sich der Grundsicherungsbedarf künftig entwickeln wird, ist unklar. Eine einfache Fortschreibung würde bis zum Jahr 2030 einen Brutto-Grundsicherungsbedarf zwischen 900 und gut 1.000 Euro ergeben. Entscheidend sei aber auch, ob die staatlichen Förderangebote zum Aufbau einer zusätzlichen Altersvorsorge genutzt würden, erklärte das BMAS.

Neben der Nutzung der staatlichen Förderangebote, wie mit dem Abschluss einer Riester-oder Basis-Rente, ist es zusätzlich sinnvoll, sich bereits möglichst in jungen Jahren mit einer privaten Altersvorsorge gegen die Altersarmut zu schützen. Welches Armutsrisiko jeder Einzelne im Alter aber auch im Krankheitsfall oder bei Erwerbsunfähigkeit hat und welche Vorsorgemaßnahmen sinnvoll sind, können beim Versicherungsvermittler erfragt werden.
Anne
 
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